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Sport fürs Leben

Ein Interview mit Boris Becker
von Dr. med. Jürgen Budde

 

 

 
Budde: Sie engagieren sich als Vorstand und Gründungsmitglied in der "Laureus Sport for Good Foundation" zusammen mit anderen Weltspitzensportlern für den sozialen Wandel durch Sport. Die Idee geht auf Nelson Mandela zurück. Was macht Sport mit den Menschen, dass er dies bewirken kann?

Becker: Aus meiner Sicht gibt es zwei Dinge auf der Welt, die die Kraft haben, die Menschen egal welcher Herkunft und welchen Alters positiv zu beeinflussen und über alle denkbaren Grenzen hinweg zu vereinen: Sport und Musik! Insbesondere durch Sport lernen junge Menschen wichtige Eigenschaften fürs Leben: Ehrgeiz, Disziplin, Fairness, Teamfähigkeit und Begeisterung - um nur einige zu nennen. Zudem ist der Sport in sozial schwachen Teilen der Erde für die jungen Menschen oftmals die einzige Möglichkeit, um Wohlstand zu erlangen und sich damit die Träume zu verwirklichen.

   

 


Boris Becker & Dr. Jürgen Budde

 
 
Budde: Kann man Sport als integrative Kraft gleichermaßen im guten alten Europa wie in Drittländern, wie z. B. auf dem afrikanischen Kontinent sehen?

Becker: Ich denke, dass man dies ganz sicher so sehen kann. Beim Sport ist es egal, ob Du schwarz oder weiß, groß oder klein, reich oder arm bist. Das Einzige, was zählt ist die Leistung und das Verhalten auf dem Platz. Ein wunderbares Beispiel für die integrative Kraft sind heute unsere Fußball-Nationalmannschaften: Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern sind viele Spielerinnen und Spieler mit verschiedenster ethnischer Herkunft. In dem Moment aber, in dem sie das Trikot der Nationalmannschaft tragen, sind sie genauso ein Bestandteil der Mannschaft wie alle anderen auch und werden uneingeschränkt von den Zuschauern unterstützt. Genauso ist es bei den Fans - die WM 2006 und die Frauen WM in diesem Jahr haben unser Land in einer fantastischen Art und Weise auf der ganzen Welt als Gastgeber präsentiert und gezeigt, dass wir ein modernes, fröhliches und tolerantes Land sind!



Budde: Welche Menschen liegen Ihnen da besonders am Herzen?

Becker: Grundsätzlich gibt es bei mir keinerlei Unterschiede zwischen sämtlichen Menschen. Als vierfacher Vater liegen mir jedoch insbesondere die Kinder am Herzen, denn sie sind meistens das schwächste Glied in der Kette und haben noch ihr gesamtes Leben vor sich. Kinder haben noch eine gewisse Unbeschwertheit und es erfüllt mich jedes Mal wieder mit großer Freude, wenn ich beobachten kann, wie fröhlich und dankbar sie sind, wenn sich jemand für ihre Situation und ihre Anliegen interessiert.



Budde: Sind bestimmte Sportarten für Ihr Projekt besonders geeignet?

Becker: Wichtig ist, dass der jeweils zu betreibende Aufwand im Verhältnis zu dem Ertrag steht. Wir können leider nicht an allen Stellen dieser Welt helfen und achten daher darauf, dass wir bei unseren Projekten ordentlich haushalten - dies gilt sowohl in zeitlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Es macht beispielsweise keinen Sinn, in Afrika einen sehr zeitaufwändigen und kostenintensiven Sport anzubieten, der dann seitens der Kinder nicht angenommen wird. Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball lassen sich meist mir relativ wenigen Mitteln anbieten und erreichen gleichzeitig eine Vielzahl von Menschen, die umgehend und unkompliziert damit beginnen können.


Budde: Sie selbst sind eine Sportlegende. Ihr Leben ist zu aktiven Zeiten der Sport gewesen. Welche Eigenschaften hat er bei Ihnen besonders geprägt?

Becker: Der Sport hat mir sehr viel gegeben und ich habe die wichtigsten Lektionen fürs Leben durch den Sport gelernt. Er hat mir unter anderem gezeigt, dass man durch harte Arbeit, Ehrgeiz und Disziplin seine Ziele erreichen kann. Er hat mir auch gezeigt, dass alle Menschen von Natur aus gleich sind, ob in Afrika, Asien oder Europa - entscheidend ist, dass man sich den jeweiligen Situationen des Lebens stellt und auch bei Niederlagen das Prinzip der Fairness und des gegenseitigen Respekts beachtet.


 

   
   

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